Stadtwald, Seen und der Duft des Sommers: Aufbruch im Darmstädter Norden zum Weltkulturerbe im Zentrum
Darmstadt hat für Radfahrer eine Menge zu bieten: Schattige Waldwege wechseln sich ab mit grünen Parkanlagen, historischen Kulissen und – wie wir heute feststellen durften – einer unschlagbaren Biergarten-Dichte. Die Wege sind flach, hervorragend zu befahren und wie geschaffen für ein genussvolles Dahingleiten. Schon auf den ersten Metern wehte uns ein herrlicher, intensiver Hauch von Lindenblüten um die Nase – ein absoluter Genuss für die Sinne, der uns fast im gesamten Stadtgebiet begleiten sollte.
Vom Eis-Koma zum Enten-Idyll
Jede gute Tour braucht ein solides Fundament. Unser Startpunkt lag strategisch perfekt in der Nähe unseres ersten Boxenstopps: dem Eislabor. Wer hier ohne eine Kugel cremiges Glück vorbeifährt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Frisch gestärkt und bei bestem Sonnenschein ging es weiter Richtung Norden.
Unser erstes richtiges Natur-Highlight ließ nicht lange auf sich warten: das Arheilger Mühlchen. Der Naturbadesee lag herrlich friedlich da. Ein paar Enten drehten ihre Runden, und wir haben kurz die Beine hochgelegt. Weiter ging es über den schattigen Weg am Brentanosee vorbei, wo wir kurz den berühmten „Dreifingerbaum“ am Seeufer für die Fotogalerie abgelichtet haben. Dank der breiten Schwalbe-Reifen an den i:SYs schluckt das Fahrwerk die Wald- und Uferwege weg, als gäbe es kein Morgen.
Schloss-Romantik und die Verlockungen des Oberwaldhauses
Nach knapp 5 Kilometern öffnete sich der Wald und gab den Blick frei auf das barocke Jagdschloss Kranichstein und den spiegelglatten Backhausteich. Wenn man hier so am Ufer entlangrollt, fühlt man sich direkt ein bisschen blaublütig.
Über verschlungene Waldwege steuerten wir das Naherholungsgebiet Steinbrücker Teich und das traditionsreiche Oberwaldhaus (anno 1901) an. Wer Kinder hat, muss hier natürlich am Ponyreiten stoppen. Für uns hieß es aber: Agilität testen! Zwischen Fußgängern, Enten und Ausflüglern lenken sich die 20-Zoll-Kompakträder dank des tiefen Schwerpunkts so präzise wie ein Go-Kart auf der Rennbahn.
Rosen-Duft, Bio-Idylle und ein Hauch von Spanien
Nachdem wir das Oberwaldhaus hinter uns gelassen hatten, steuerten wir unsere i:SYs geradewegs auf das Hofgut Oberfeld zu. Hier, wo Darmstadt noch echte, aktive Landwirtschaft mitten in der Stadt lebt, gab es erst einmal ein kurzes kollegiales Nicken zu den dortigen Weidekühen. Ein kurzes Stück weiter wartete direkt die nächste Überraschung: der Skulpturengarten am Spanischen Turm. Wer hier vorbeiradelt, reibt sich erst einmal ungläubig die Augen – dieses skurrile, schlanke Bauwerk mitten im Grünen wirkt fast ein bisschen wie eine Märchenkulisse.
Nur wenige Kurbellumdrehungen später passierten wir das historische Löwentor und tauchten ein in den puren Sinnesrausch des Parks Rosenhöhe. Und was soll ich sagen? Das Rosarium stand in absoluter Vollblüte! Der Duft, der hier in der warmen Juniluft hing, war phänomenal – eine Mischung aus Sommerfrische und edler Gartenkunst. Der intensive Hauch von Lindenblüten, den wir schon zu Beginn in der Nase hatten, erreichte hier seinen absoluten Höhepunkt.
Vorbei am wunderschönen, historischen Teehäuschen glitten wir auf den geschmeidigen Parkwegen dahin. Hier zeigt sich einfach wieder die Klasse der breiten Schwalbe-Reifen: Während andere Radler auf den feinen Kieswegen ordentlich durchgeschüttelt werden, gleitet man auf dem i:SY tiefenentspannt und majestätisch an den Rosenbeeten vorbei – die perfekte Einstimmung auf das Weltkulturerbe Mathildenhöhe.
Das große Finale: 125 Jahre Weltkulturerbe Mathildenhöhe
Hinter dem Park öffnete sich die Kulisse und wir steuerten direkt auf das unbestrittene Kronjuwel unserer heutigen Tour zu. Und das Timing hätte perfekter nicht sein können: An diesem Wochenende (6. und 7. Juni 2026) feiert die legendäre Künstlerkolonie ihr 125-jähriges Jubiläum! Entsprechend spektakulär was die Stimmung vor Ort. Hier steppte sprichwörtlich der Bär. Überall gut gelaunte Menschen, Live-Musik, Kunsthandwerk und ein unbeschreibliches, kreatives Flair, das wie ein Magnet wirkt.
Wir haben unsere beiden i:SYs erst einmal prominent geparkt. Und ganz ehrlich: Zwischen all den architektonischen Jugendstil-Meisterwerken machten unsere beiden Kompakträder (Thomas‘ sportliches Adventure und Angelas farbenfrohes POP ART) optisch eine verdammt gute Figur – moderne Design-Meisterwerke treffen auf historische Klassiker, das hat absolut gepasst!
Zu Fuß ging es dann auf Erkundungstour durch die Geschichte auf dem wunderschönen Areal vom Weltkulturerbe Mathildenhöhe:
Das Ernst-Ludwig-Haus: Das monumentale Atelierhaus mit seinem goldenen Portal ist einfach jedes Mal wieder ein absolut beeindruckender Anblick.
Die Russische Kapelle: Die goldenen Kuppeln funkelten regelrecht in unserer Sommersonne. Zusammen mit dem idyllischen Schwanentempel im Hintergrund ein Postkartenmotiv par excellence.
Der Hochzeitsturm: Das stolze Wahrzeichen Darmstadts ragte majestätisch in den blauen Himmel.
Wir haben die Kamera kaum noch aus der Hand bekommen und gefühlt aus jedem Blickwinkel Fotos geschossen. Egal ob am plätschernden Brunnen oder im schattigen Sitzbereich unter den Platanen – überall spürte man diesen besonderen Geist der Jahrhundertwende, der die Mathildenhöhe zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe macht. Ein absolut würdiger und unvergesslicher Höhepunkt unserer heutigen Runde!
Der Biergarten-Slalom zurück nach Hause
Nach den beeindruckenden Erlebnissen rund um das Weltkulturerbe Mathildenhöhe braucht der Radler… genau, ein kaltes Erfrischungsgetränk! Der Rückweg gestaltete sich fast schon als logistische Herausforderung, da Darmstadt gefühlt alle 500 Meter mit einem fantastischen Biergarten lockt.
Zuerst passierten wir das moderne Darmstadtium und die historische Stadtmauer an der Erich-Ollenhauer-Promenade, bevor uns der verlockende Duft aus dem Biergarten im Schlossgarten in die Nase stieg. Wir blieben jedoch stark und rollten weiter durch den Herrngarten, vorbei am Ludwig-Denkmal.
Für die Statistik-Liebhaber: Auf den letzten Kilometern haben wir noch den Darmstädter Biergarten und den Bayerischen Biergarten im Bürgerpark passiert. Wer auf dieser Tour verdurstet, ist wirklich selbst schuld! Über den Moorteich und vorbei am Nordbad schloss sich unsere 21-Kilometer-Runde schließlich wieder am Zielpunkt.
Pünktlich zum Finale hatte sich der Himmel dann auch langsam ein wenig zugezogen. Aber das war uns ganz recht: Nachdem uns zu Beginn der Tour meist die herrliche Sommersonne verwöhnt und ordentlich eingeheizt hatte, war die aufkommende, kältere Brise auf den letzten Kilometern eine wunderbare Erfrischung.